Goslarer Straßennamenkatalog - Ludwig-Jahn-Straße


Ludwig-Jahn-Straße

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Die Ludwig-Jahn-Straße liegt zwischen Bleicheweg und Am Stollen im Siemensviertel und zweigte früher vom Zwingerwall ab. Heute verwehren einige Metallpfosten auf einer kleinen Grünfläche die Einfahrt. Für Fußgänger und postalisch beginnt sie hier am Ende der Sackgasse und führt steil bergauf wie fast alle Straßen im Siemensviertel. Nachdem sie die Bozener Straße und die Dr.-Nieper-Straße gekreuzt hat, trifft sie auf die Siemensstraße und endet dort. Autofahrer erreichen die Ludwig-Jahn-Straße nur über diese Nebenstraßen. Auch hier begegnet man wieder dem Phänomen, dass die Bebauung mit Ansteigen der Straße anspruchsvoller wird. Im unteren Drittel handelt es sich meistens um Mehrfamilienhäuser mit vielen Wohneinheiten. Weiter oben kann man eher von älteren Stadtvillen sprechen, die heute aber offensichtlich auch teilweise vermietet sind.

Am 12.09.1924 erfolgte die Einweihung und Namensgebung der Straße. Da früher die MTV-Halle ein Turnplatz gewesen ist, war es naheliegend, diese Straße nach dem Turnvater Jahn zu benennen. Er hat den Grundstein für Turnen und Sport im Allgemeinen gelegt. Friedrich Ludwig Johann Jahn wurde am 11.08.1778 als Sohn eines Dorfpfarrers in Lanz geboren. In seinen Kindertagen genoss er viele Freiheiten. Seine Mutter lehrte ihn Schreiben und Lesen, sein Vater Latein. Erst mit 13 Jahren begann seine Odyssee durch verschiedene Schulen. In Disziplin und Ordnung ließ er sich nicht zwingen und mit seiner eigenwilligen, rebellischen Art eckte er bei seinen Lehrern und Mitschülern an. Ohne Schulabschluss besuchte er 7 Jahre lang verschiedene Universitäten. Auch hier zog sich seine mangelnde Disziplin wie ein roter Faden durch sein Leben. Er lebte in ständiger Geldnot, besaß kaum ein Buch, führte kein Heft und wurde relegiert. Deshalb durfte ihn keine Hochschule mehr aufnehmen. Während des Studiums in Göttingen war Jahn mit dem stud. Jur. Georg Siemens bekannt geworden. Er besuchte seinen Freund mehrmals in Goslar in seinem Haus und schrieb darüber 1806 ein Buch mit dem Titel „Denknisse eines Deutschen“. Während des Krieges übernahm er im Regierungsauftrag geheime Kurierdienste. 1809 ging er nach Berlin und arbeitete in einer Privatschule. Ihm winkte eine Stelle als Oberlehrer in Königsberg, aber er fiel durch die formale Prüfung. 1810 gründete Jahn den „Deutschen Bund“, den Vorläufer der Burschenschaften. Wichtigste Ziele dieses Bundes waren die Befreiung Deutschlands von der französischen Herrschaft und die nationale Einheit Deutschlands. Jahn predigte einen fanatischen Nationalismus.

Am 18. Juni 1811 eröffnete er unter dem Motto „frisch, fromm, fröhlich, frei“ den ersten deutschen Turnplatz auf der Hasenheide in Berlin und machte mit der Einführung von Barren, Reck und Hanteln Turnübungen erstmals populär und initiierte die allgemeine Turnbewegung in Deutschland. Schon als Knabe hatte er weite Fußwanderungen gemacht, lernte Schwimmen und Reiten. Am 30.08.1814 heiratete er die Bürgersfrau Kolhoff. Sie bekamen drei Kinder, wovon zwei an Diphterie starben. In der Nacht zum 14. Juli 1819 wurde Jahn am Krankenbett seines Kindes verhaftet. Er fiel, wie viele andere Turner und Burschenschaftler, der sogenannten „Demagogenverfolgung“ zum Opfer. Man warf ihm revolutionäre Propaganda vor und schickte ihn fast 6 Jahre ins Gefängnis.

In dieser Zeit starb seine Frau Helena. 2 Jahre später heiratete er Emilie Hentsch. Bis 1840 stand er unter politischer Aufsicht. Erst dann wurde er durch König Friedrich Wilhelm IV rehabilitiert und erhielt nachträglich das Eiserne Kreuz für Tapferkeit in den Freiheitskriegen verliehen. 1848 wurde er als Abgeordneter in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, die 1849 scheiterte. Friedrich Ludwig Jahn starb am 15.10.1852 in seinem Haus in Freyburg.

Quellen:

 

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.