Goslarer Straßennamenkatalog - Martin-Luther-Straße


Martin-Luther-Straße

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Die Martin-Luther-Straße liegt am östlichen Stadtrand außerhalb der Stadtmauer. Sie ist eine unscheinbare, als Sackgasse ausgeschilderte, Seitenstraße des Reiseckenweges unmittelbar vor der großen Ampelkreuzung. Allein der alte bunte Schlauchturm der Feuerwehr am Straßenanfang zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Dahinter befindet sich seit 1985 die Feuerwache und rechts erstreckt sich das Seniorenheim „Abendfrieden“. Ein Sirenenalarm in unmittelbarer Nachbarschaft verspricht allerdings nur „ein bisschen Frieden“. Am Ende dieser Sackgasse geht es durch ein Gewirr von kleinen Firmen aller Sparten nur im Schritttempo weiter. Ein langer Fußweg führt entlang der Abzucht in einem Bogen zur Okerstraße.

Namensgeber ist Martin Luder, der sich erst später Martin Luther nennt. Er wurde am 10.11.1483 als Sohn eines Bauern in Eisleben geboren und starb hier auch am 18.02.1546. 1484 kurz nach seiner Geburt, zogen seine Eltern nach Mansfeld und erreichten durch Beteiligungen am Kupferbergbau einen gewissen Wohlstand. 1491 schon gehörten sie zu den angesehensten Familien der Stadt. Die Mutter versorgte eine beachtliche Kinderschar und war eine strenge Erzieherin. Luther hatte vermutlich 9 Geschwister. Er besuchte die Lateinschule, war ein begabter Schüler und ein schüchterner, zurückhaltender Junge. Nach weiteren Schulbesuchen in Magdeburg und Eisenach beginnt er 1501 ein Studium. Die Grundausbildung, um ein Studium der höheren Fakultät antreten zu können, bestand aus den Fächern Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie. Nach Erlernen dieser sogenannten 7 Künste wurde er „Magister artium“ und konnte 1505 ein Jurastudium beginnen.

Kurze Zeit später bricht er dieses ab und tritt in das Augustinerkloster in Erfurt ein. Das hierfür verantwortliche Ereignis gehört wahrscheinlich ins Reich der Legenden. Am 02.07.1505 soll Luther auf der Heimreise von seinen Eltern nach Erfurt bei Stotternheim in ein schweres Gewitter geraten sein. Als ein Blitz unmittelbar neben ihm in die Erde einschlug und ihn zu Boden schleuderte, rief er die heilige Anna an und gelobte: „Hilf du, heilige Anna, ich will ein Mönch werden“. Als er am 17.07.1505 dieses Gelübde einlöste, ist der stolze Vater sehr erzürnt. Dieser hatte gehofft, sein Sohn würde eine Stellung als geachteter Jurist bekleiden. Trotzdem beginnt Luther 1507 ein Theologiestudium und wird 1512 Doktor der Theologie. Danach erhält er an der Wittenberger Universität die Bibelprofessur und hält Vorlesungen über die Psalmen, den Römer-, den Galater- und den Hebräerbrief. 1514 wird Luther auch als Prediger zur Wittenberger Stadtkirche berufen...

Als er sich 1521 auf dem Reichstag in Worms weigerte, seine Thesen zu widerrufen, verhängt der Papst den Bannfluch über ihn. Von nun an ist er vogelfrei und könnte von jedem getötet werden. Da lässt ihn der Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen entführen und bringt ihn auf die entlegene Wartburg in Sicherheit. Schon Jahre zuvor sollen seine Feinde mit allen Mitteln versucht haben, ihn aus dem Weg zu schaffen. Es wird von etlichen Giftmordversuchen berichtet, denen Luther aber bekanntlich immer entkam. Entweder erholte er sich wieder oder die Gefäße mit dem Gift gingen kurz vor dem Genuss zu Bruch.

Die Welt um 1500 war voller Spannungen und Konflikte. Der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit war auch gekennzeichnet von neuen Erfindungen, wie z.B. den ersten Globus, das Pulver, die Taschenuhr, Pumpen und Flugmaschinen sowie das Weltbild des Kopernikus „die Erde ist eine Kugel“. In diese Übergangszeit fielen auch die berühmten 95 Thesen von Luther. Außerdem entdeckte Kolumbus Amerika, Vasco de Gama den Seeweg nach Indien und Ferdinand de Magellan umsegelte zum 1. Mal die Erde.

Luther lebte in einer Zeit der Umbrüche und Unruhen. Das einfache Volk litt unter Lebensängsten, Arbeits- und Nahrungsmittelknappheit, Bedrohungen durch Kriege und immer wiederkehrenden Pestepidemien. Bußprediger zogen durch das Land, der Reliquienkult und die Zahl der Wallfahrten nahmen verstärkt zu. Die Gesellschaft hatte große Probleme. Das heilige römische Reich der deutschen Nation stand vor dem Verfall. So entstand ein Raum in dem sich die Reformation ausbreiten und überleben konnte.

Quellen:

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.