Goslarer Straßennamenkatalog - Siemensstraße


Siemensstraße

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Die Siemensstraße beginnt als Verlängerung der Wallstraße an der Kreuzung Am Stollen und führt an der Ludwig-Jahn-Straße vorbei bis zum Bleicheweg. Anfangs zweigt noch der Karsten-Balder-Stieg rechts ab. Je höher man in dem steilen Wohnviertel am Berghang kommt, umso komfortabler werden die Straßen und ihre Bebauung. Die Siemensstraße ist sogar einseitig mit Bäumen bepflanzt und dazwischen findet man Parkplätze in Hülle und Fülle. Dieses Privileg wird von den großzügigen Stadtvillen-Bewohnern einfach erwartet. Manche dieser Wohnanlagen besitzen große halbrunde Balkone oder Erker. Besonders fällt ein mediterran anmutendes Gebäude auf. Seine Fassade erstrahlt in vornehmen ocker und ziegelrot. Die hohen Fenster reichen bis zum Boden und sind mit nostalgischen Klappläden bestückt. Selbst die Balkone sind von Ziegel-Walmdächern beschirmt – architektonisch sehr gelungen. Hauptsächlich handelt es sich hier um Mehrfamilienhäuser mit gehobenem Niveau. Auffällig sind die Krüppelwalm- und Mansardendächer, die in Gebieten mit rauer Witterung vermehrt Verwendung fanden.

Der Name Siemskamp oder Siemenskamp wurde im Volksmund einer Ackerfläche zugeordnet, die sich vom Hainholz aus nach Süden erstreckt. Dieser Acker gehörte vormals einem Siems oder Siemens. Diese Darlegung ist möglich, da die Familie Siemens großen Grund- und Immobilienbesitz ihr Eigen nannte. Sie war vom 14. bis 19. Jahrhundert eine bekannte einflussreiche Kaufherrenfamilie und Johann Georg Siemens um 1800 herum Bürgermeister von Goslar. Die Familie Siemens schreibt ab 1384 Stadtgeschichte. Wo sie genau herkommen, kann historisch nicht belegt werden. Erstmals taucht der Name als Symons 1384 in Goslar auf. Der Siemens-Stammbaum weist ab Ende des 14. Jahrhunderts bis in das 18. Jahrhundert „sage und schreibe“ 81 Träger dieses Namens auf. Der von der Siemens-Familie als „Stammvater Nr. 1“ angesehene Ananias etwa (1538-1591) besaß an verschiedenen Stellen Grund und Boden, eine Ölmühle und in einem seiner Häuser eine Brauerei. Die Siemens galten als aufrichtige Bürger, die sich im Handel sowie in der kommunalen Verwaltung erfolgreich betätigten.

Doch wo viel Licht ist auch viel Schatten. Münzmeister Hans Siemens (um 1620) manipulierte mit einigen Spießgesellen (Komplizen, Handlanger) den Silbergehalt der Goslarer Münzen, wodurch der Wert des Geldes auf ein Achtel des Ursprungswertes gesunken ist. Aus Rache plünderten die aufgebrachten Goslarer sein Haus und zerstörten es. Diese Familie hat viele „große“ Männer hervorgebracht u.a. den uns allen bekannten Werner von Siemens, 1816 geboren in Lenthe bei Hannover, der

Begründer des Siemenswerkes oder Hans Siemens (1628 – 1694) der 1693 das Goslarer Siemenshaus in der Schreiberstraße/Ecke Bergstraße erbaute. Besonders Johann Georg Siemens hat sich für die Stadt Goslar sehr verdient gemacht. Er wurde 1748 in Weddingen geboren, ließ sich 1772 als Advokat in der Stadt nieder und wurde Mitglied in der Worthgilde. Das war die Gilde der Fernhandelskaufleute. Die heutige Kaiserworth am Marktplatz war damals der Sitz dieser Gilde. J. G. Siemens war 1800 der letzte Bürgermeister der „Freien Reichsstadt“ Goslar; danach der erste königlich-preußische Stadtdirektor. Er reformierte die Stadtverwaltung, die Steuer- und Finanzpolitik. So sorgte er damals für die Entlastung der kleinen Bürger und bat jetzt auch die Wohlhabenden zur Kasse.

An das im Süden von einem Grüngürtel umschlossene Altstadtoval wurde von 1927 bis 1936 das Siemensviertel erbaut. Den Wohnwert dieses Stadtteils haben mittlerweile sogar die Waschbären erkannt. Eine Familie mit ihren Jungen lebt auf einem Haus unter den Dachziegeln. Sie haben diese einfach zur Seite geschoben und fühlen sich dort richtig wohl, sehr zur „Freude“ der Hausbesitzer.

Quellen:

  • Adressbuch der Stadt von 1933, S.96
  • Bornhardt, Wilhelm; Flurnamen des Stadtkreises GS, Selbstverlag des Geschichts- u. Heimatschutzvereins GS 1935
  • Prof. Dr. med. H.W, Siemens, Über unbekannte Ahnen von W. Siemens
  • Goslar a. Harz, Die tausendjährige Kaiser, Reichs- u. Hansestadt, Verein für Fremdenverkehr Goslar e.V. 1962; GZ 22.06.2011

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.