Goslarer Straßennamenkatalog - Werenbergstraße


Werenbergstraße

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Die Werenbergstraße befindet sich im Südwesten der Stadt außerhalb der ehemaligen Stadtmauer und beginnt – zuerst nur linksseitig bebaut – an der Wallstraße als ein Stück der Durchgangsstraße nach Clausthal und biegt; dann überraschend nach links ab. Erst hier hat man das Gefühl in einer Wohngegend zu sein. Vorher wirkt Ihr Straßenbild völlig zerrissen, beim Straßenbelag wie bei der Bebauung. Das liegt daran, dass durch den Neubau der Umgehungsstraße ein kleines Stück der Werenbergstraße integriert wurde. Vorher war die Straßenführung eine ganz andere und eine Umbenennung hätte zu viele Änderungen nach sich gezogen. Nachdem sie sich durch Abzweigung zu einer eigenständigen Straße entschieden hat, gewinnt sie auch an Charme. Bis zur Überquerung des Breiten Weges werden die älteren Stadtvillen durch Alleebäume beschirmt.

Nach der Kreuzung Breiter Weg überrascht den Betrachter ein Stück Kopfsteinpflaster, das sich ohne Zusammenhang in die Asphaltdecke der unteren Straße fügt und dann abrupt in eine moderne gepflegte Pflasterung übergeht. Passend zu dem ausgesucht schönen komfortablen Straßenabschnitt überwältigen die weißen Stadtvillen in gepflegten Gärten. Der Kontrast zur restlichen Bebauung ist so gravierend, dass er fast betroffen macht. Der traumhafte Blick über die Stadt, vom Bollrich bis zum Sudmerberg lässt einem in eine andere Welt gleiten und plötzlich versteht man: Wo Benz und Porsche fahren geht Kopfsteinpflaster gar nicht und das kleine verirrte Stückchen zwingt zum Tempolimit einer 30-km-Zone.

Hier stört nichts, aber auch wirklich nichts das Idyll der Reichen und Schönen Goslars. Per Magistratsbeschluss am 23.06.1925 erhält ein Teil der früheren Wasserbreeke die Bezeichnung Werenbergstraße nach dem sich verdient gemachten Hermann Werenberg (erstmals erwähnt 1385). Leider kann man nicht erfahren, wann dieser Mann geboren wurde und wann er gestorben ist.

Aber es gibt in der facettenreichen Zeitspanne seiner belegten Arbeit für die Stadt Goslar eine Menge zu berichten. Von 1380 – 1410 hatte die Stadt Goslar einen Kanzler namens Werenberg. So findet sich in einem Urkundenbuch am 15.10.1386 sinngemäß: Werenberg, Rektor der St. Bartholomäus- Kapelle in Goslar, war als Zeuge anwesend, als die Beglaubigung und Abschrift einer Urkunde von König Wenzel von Rom und Böhmen beurkundet wurde. Werenberg beschreibt, wie er die Urkunden bearbeitet hat. Er beschreibt, dass er die Urkunde des Königs zunächst in sein Protokoll aufgenommen hat, um sie dann zu gliedern und zu bearbeiten.

Seine Bearbeitung der Urkunde sollte den gleichen Stellenwert haben wie das Original. Notariatstätigkeiten gehörten zu seinen Hauptaufgaben.

Das Amt des Notars hatte er durch kaiserliche Autorität gewonnen. Häufig muss W. wichtige Urkunden, wie z.B. am 27.9.1389, die an die Kurie nach Rom gingen, abschreiben. Er musste sich genau an den Wortlaut des Originals halten. Diese Abschriften und Beglaubigungen waren sehr wichtig, denn häufig gingen wichtige Unterlagen auf dem Weg nach Rom verloren. In diesem Fall ging es um eine Urkunde aus dem Jahr 1295. In dieser Urkunde geht es um die Verteidigung der Rechte und die Interessen der Goslarer Bürger in Rom. Mittlerweile war W. (1392) Obernotar der Stadt und durfte den Titel Magister tragen. In Werenbergs Zeit konnten die meisten Menschen, auch Kaiser und Könige, nicht schreiben und lesen. Im Jahr 1397 war W. im Rahmen einer Begehung der Befestigungsanlagen der Stadt dabei. Es sollte entschieden werden, ob die Kapellen im Verteidigungsring der Stadt abgerissen werden sollten. Sie galten als Hindernis für die Verteidigung der Stadt. Die betroffenen Kapellen waren: St. Nikolai-, St. Vitri- und St. Bartholomäuskapelle am Breiten Tor. Letztlich wurde entschieden, die Kapellen so weit baulich zu verändern, dass sie kein Hindernis sind, in ihnen aber weiter Gottesdienst gefeiert werden konnte. W. war außerdem damit beauftragt, gefälschte Urkunden zu erkennen und im Verfahren gegen die Fälscher aufzutreten.

Andererseits beging er selbst umfangreiche Fälschungen und bereitete dadurch den Kauf des Bergwerkes Rammelsberg durch die Stadt Goslar vor. Werenberg begleitete mehrere wichtige Ämter und erlangte einige geistige Würden. Nach 22.1.1403-1408 wurden ihm etliche Ämter entzogen, nachdem er wegen Totschlags verurteilt worden ist. Nichtsdestotrotz arbeitet er weiter und es erweckt nicht den Eindruck als ob er durch diese Verurteilung großen Schaden genommen hätte.


Quellen:

  • Graf, Sabine; Dissertation, Das Niederkirchenwesen der Reichsstadt Goslar im Mittelalter
  • Faust ,Ulrich und Aschoff, Hans-Georg (Hrsg.); Studien zur Geschichte des Bistums Hildesheim, Band 5, Hannover 1998, S. 502-503 UBV Nr. 650/577, Nr. 706, Nr. 773, Nr. 1042, Nr. 1128
  • Meier, Rudolf; Die Domkapitel zu Goslar und Halberstadt in ihrer persönlichen Zusammensetzung im Mittelalter
  • Stadtarchiv Goslar, Akte I 203/14
  • www.meyerbuch.com


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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.