Goslarer Straßennamenkatalog - Ahornweg


Ahornweg

Ahornweg1
Ahornweg2
Ahornweg3

Der Ahornweg zweigt von dem an dieser Stelle sehr breiten Eichenkamp ab und verläuft leicht s-förmig in nördlicher Richtung. Die Straße ist einseitig mit erhöht am Hang liegenden Häusern bebaut, deren Eingang nur über lange Treppen zu erreichen sind. Die Hege und Pflege der steilen Vorgärten ist sicher sehr mühsam. Trotzdem machen die meist mit unterschiedlichen Mauern oder Zäunen eingefassten Anlagen einen gepflegten Eindruck. Auf der anderen Straßenseite befinden sich nur Garagen und ein einziger Gehweg. Vom Eichenkamp steigt der Ahornweg stetig sanft bergauf. Nach Überwinden eines kleinen Hügels fällt er wieder ab und geht unten am Ende in die Straße An den Kastanien über. Der Ahornweg wird erstmals 1938 im Adressbuch erwähnt.

Der Ahornbaum kann das hohe Alter von 500 Jahren erreichen und zählt 100-200 Arten. Die Blätter sind ein besonderes Merkmal. Sie haben Ähnlichkeit mit einer gespreizten Hand. Er ist der Laubbaum, der als letztes im Herbst seine Blätter verliert. Die Wuchshöhe der verschiedenen Ahornbäume variiert sehr stark. Je nach Art gibt es Kleinbäume, mittelgroße, Großbäume und Sträucher. Seit der Eiszeit sind nur noch sehr wenige Arten heimisch in Mitteleuropa. Die bekanntesten sind: Bergahorn, Feldahorn und Spitzahorn. Das gelblich-weiße Ahornholz ist sehr wertvoll und wird zum Bau von Musikinstrumenten, wie der Geige, Gitarre oder Schlagzeugkessel verwendet. Der aus Kanada bekannte Zuckerahorn kann in einem Alter von 50 Jahren im Frühjahr angeritzt und der herausfließende Saft aufgefangen werden, ohne dass die Bäume Schaden nehmen. Aus dem Saft wird dann durch Kochen bzw. Eindampfen/Eindicken der berühmte Ahornsirup gewonnen.

In früheren Zeiten hat man dem Baum Schutzkräfte gegen Hexen zugesprochen, weshalb er als beschützender Baum in der Nähe der Häuser gepflanzt wurde. Wie so oft liegt das Heilige und Gefährliche dicht beieinander. Man hat in vorchristlicher Zeit den Dryaden (Baumgeister, Baumwesen) Opfer gebracht, um sie zu besänftigen. Das bevorzugte Opfergetränk war Bier, weil es die angeheiterten Wesen freundlich stimmte. Doch Vorsicht, denn die Leidenschaft des Baumes für alkoholische Getränke hatte auch seine Schattenseiten. So durfte man – das glaubte man in Westfalen – sein Vieh nicht mit Ahornzweigen antreiben, sonst gaben die Kühe blutige Milch.

Der Ahorn und die Ahornblätter werden auch als Symbole für Briefmarken, Fahnen und Wappen verwendet. Die Flagge von Kanada hat z. B. seit 1965 ein rotes Zuckerahornblatt als Symbol für die großen Waldflächen des Landes. In China ist es ein Symbol der Amtswürde. Heute ist die medizinische Wirkung vieler Ahornarten in Vergessenheit geraten, obwohl sie im alten Ägypten als Heilpflanzen galten. Die Blätter des Feldahorns haben eine kühlende Wirkung und wurden daher bei Insektenstichen, Schwellungen und Hautentzündungen verwendet. Nach der Heilkräuterpionierin Hildegard von Bingen (um 1098- 1179) sollte ein Bad mit Wasser, in dem vorher Zweige und Ahornblätter gekocht wurden, gegen Fieber helfen. Im Anschluss daran sollte ein Glas Ahornsirup mit etwas Wein getrunken werden. Nach dem Motto, viel hilft viel, kann auch mehr Wein zur Zubereitung genommen werden.

Quellen:

Straßenprofil als PDF Dieses Straßenprofil als PDF herunterladen.

Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.