Goslarer Straßennamenkatalog - An den Kastanien


An den Kastanien

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Die Zufahrtsstraße zum Sudmerberg beginnt etwas verwirrend in ihrer Mitte an der Einmündung Dornbusch. Von dort läuft sie auf die Vienenburger Straße zu und endet hier schon mit Hausnummer 2. Nun erreicht die Verwirrung ihren Höhepunkt. Ach du Schreck, die 3 ist weg. Die restlichen beginnen mit der 4 aufsteigend ebenfalls an der Ecke Dornbusch, nur in anderer Richtung. Die 4, die 5, die 6, die 7, wo ist denn die 3 geblieben? Am Abzweig Ulmenstieg geht die Straße dann direkt in den Ahornweg über. Alle Häuser befinden sich auf einer Straßenseite, nur gegenüber liegt ein kleiner Platz mit der Buswendeschleife. Hier findet man sie – die Kastanienbäume, die Namensgeber. Auch im unteren Abschnitt der Straße stehen Kastanien neben einem breiten Parkstreifen, in dem quer zur Fahrtrichtung Parkbuchten markiert sind. Um der Vollständigkeit zu genügen muss betont werden, dass sich ein Haselbaum zwischen die Kastanien gemogelt hat. Der Baustil der Siedlungshäuser gleicht sich und wurde durch farbliche Veränderung der Fassade oder der Eingangsbereiche individuell gestaltet. Auch hier fällt auf, dass die „Sudmerberger“ offensichtlich alle einen grünen Daumen haben.

Jedes Kind kennt Kastanien und weiß, was man mit ihnen anstellen kann, z. B. Wildtiere füttern oder lustige Figuren mit Hilfe von Streichhölzern basteln und im Frühjahr fallen ihre einzigartigen, kerzenförmigen Blütenstände auf. Nach dem Weihnachtsbaum ist sie wohl der beliebteste und bekannteste Baum. Etwas weniger beliebt ist sie wahrscheinlich bei demjenigen, der im Herbst die Kastanienschalen beseitigen muss.

Während der ersten Bauphase des Projektes Sudmerberg musste das Wasser für die Bauarbeiten noch von der damals höchsten Stelle – und zwar hier – aus einem Behälter geholt werden, da die Wasserleitungen erst vor Bezug der Häuser gelegt wurden. Heute scheint die Straße das „Stromversorgungszentrum“ des Stadtteils zu sein. Die Ansammlung von Strom- und Telefonkästen übertrifft die Anzahl der anliegenden Häuser.

Dann fällt uns wieder ein, die 3 muss doch zu finden sein. Die ersten Bauanträge wurden hier 1937 gestellt und 1938/39 entstand das Lokal Sudburg, benannt nach der historischen Sudburg, die früher auf der anderen Seite des Sudmerberges lag. Hermann Mund betrieb das Lokal bis 1959, in dem Vereinsjubiläen, Feste, private Feiern und Jahreshauptversammlungen stattfanden. Sie war das Zentrum der Siedlung und Urzelle des Schützenvereins. Nach dem Krieg gab es hier die erste Lottoannahmestelle. 1950 wurde der Schießclub Sudmerberg gegründet und in ihrem Schießlokal der Sudburg trank man damals das Bier noch aus dem Schützenhut. Jahre später wurde das große Grundstück aufgeteilt und an zwei Parteien verkauft, weshalb sich die Hausnummer 3 in Wohlgefallen auflöste. Der Postzusteller mag das anders beurteilen. Das große Eckgrundstück wird durch heckenartig angepflanzte mediterrane Nadelgewächse wie Zypresse und Lebensbäume zur Straße hin abgegrenzt. Selbst die Gartendekoration passt zu diesem Stil.

Quellen:

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.