Goslarer Straßennamenkatalog - Eibenhang


Eibenhang

Der Eibenhang beginnt am Ende des Fichtenweges in einer 90° Kurve. Steil ansteigend endet er oben am Weißdornweg. Der Eibenhang verläuft bergauf zwischen älteren, hübschen Einfamilienhäusern mit geschmackvoll gestalteten Vorgärten. Er besitzt zwei „Bürgersteige“, die diese Bezeichnung nicht wirklich verdienen. Sie messen inklusive Bordstein nicht einmal 30 cm. In den üblichen Abständen befindet sich auf ihnen auch noch die Straßenbeleuchtung. Alle Fußgänger bewegen sich deshalb auf der Fahrbahn fort, die eine ausreichende Breite für zwei sich begegnenden Fahrzeuge hat. Bei dem geringen Verkehrsaufkommen hier, ist das nicht bedrohlich. Aus diesem Grund haben auch die umliegenden Straßen diese nur angedeuteten Gehwege.

Die im typischen Baustil des Sudmerberges erbauten, eingeschossigen Häuschen besitzen vermutlich alle einen ausgebauten Dachboden, denn die Dächer haben entweder Gauben oder einfache Dachfenster. Wie im ganzen Stadtteil lassen sich die Bewohner bei der Gestaltung ihrer Vorgärten nicht „lumpen“ und beweisen wieder einmal den schon oft besprochenen grünen Daumen. In einem Grundstück findet man eine witzige Wetterstation, die mit einem an einer Kette hängenden Stein die momentane Wettersituation beschreibt. Zusätzlich wurden hier keine Mühen gescheut, wie ein zwei Meter großer, zu einer Teekanne beschnittener Busch beweist. Ein Stück weiter sind die Hauseigentümer „steinreich“. Statt eines Zaunes haben sie aus kantigen Bruchsteinen eine Mauer aufgestapelt und die Zwischeräume und Spalten mit Sukkulenten bepflanzt. Zusätzlich schmückt ein großer zweifarbiger kantiger Stein den Garten. Der graue Brocken erinnert durch eine weiße, krustenähnliche Oberfläche an einen Bergkristall. Sehr hübsch, mit dieser ausgefallenen Idee seinen Vorgarten zu gestalten.

Der Eibenhang wurde erst am 13.02.1961 mit diesem Namen versehen. Früher war die Eibe, auch Taxus genannt, in Europa stark verbreitet. Da sie giftig ist wurde sie so stark abgeholzt, dass sie mittlerweile sehr selten ist. Aus diesem Grund hat man sie als einzige, heimische Baumart unter Naturschutz gestellt. Berühmt sind die alte Eibe von Balderschwang im Oberallgäu – die über 1000 Jahre alt sein soll – und eine weitere in Brandenburg, die ebenfalls schon 600 Jahre alt ist. Im Jahre 1907 fand ein sensationeller Umzug einer 300 Jahre alten und 900 Zentner schweren Eibe in Frankfurt in den Botanischen Garten statt. Die Vorbereitungen hierfür dauerten drei Jahre und der Umzug über eine Entfernung von 3,5 km nahm mehrere Wochen in Anspruch. Mittels untergelegter Rollen und unter Zuhilfenahme von Eisenketten und Dampfwalzen gelang diese spektakuläre Mission. Der Baum steht noch heute an der neuen Stelle im Palmengarten.

Eiben sind genügsam, wachsen sehr langsam und können sowohl im Schatten als auch in der Sonne gedeihen. Diese pflegeleichten, immergrünen Nadelgewächse lassen sich besonders gut in Formen schneiden und sind deshalb auch als Heckenpflanze bestens geeignet, da sie einen guten Sichtschutz bilden. Die Eibe besitzt das weicheste Holz und wird deshalb gern für den Instrumentenbau genommen. Die aus ihr gefertigten Musikinstrumente klingen sanfter als die aus anderem Holz hergestellten. Leider sind fast alle Pflanzenteile hochgiftig. Für Haustiere, wie Kühe, Pferde und andere Tiere werden sie zur tödlichen Gefahr. Aber, wie beim Schlangengift gilt auch hier „was tötet, kann auch heilen“. Wissenschaftler forschen seit Anfang der 90er Jahre nach einem kostengünstigen Antikrebsmittel, das man aus dem Taxol der Eiben gewinnen könnte.

Quellen:

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.