Goslarer Straßennamenkatalog - Erlenweg


Erlenweg

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Der Erlenweg ist eine Verbindungsstraße zwischen Ginsterbusch und Sudmerbergstraße. Durch parkende Autos und einen einseitigen Gehweg verschmälert sich der Erlenweg auf nur eine Fahrspur. Bei Gegenverkehr ist man genötigt, sich zwischen den geparkten Fahrzeugen eine Lücke zum Ausweichen zu suchen. Da wenig Verkehr herrscht, kommt das aber selten vor. Auch hier haben die Hauseigentümer mit viel Phantasie und zündenden Ideen versucht, ihren Gebäuden einen besonderen Charakter einzuhauchen, sei es durch ausgefallene Farbgebung der Fassade, andersfarbigen Dachdeckungen, baulich unterschiedlichen Vorbauten und vieles mehr. Nichts ließ man hier unversucht, sich individuell zu unterscheiden und das letzte i-Tüpfelchen setzt dann wie schon oft der Vorgarten. Der am Anfang stehende, größere Mehrfamilienbau fügt sich harmonisch ins Straßenbild ein. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite erwartet uns ein völlig anderer Anblick. Gleiche Mansardenfenster und einheitliche Vorbauten prägen diesen Reihenhauszug. Das einheitliche Bild wird von abwechselnden Brauntönen und Pistaziengrün etwas aufgelockert.

Am 20.06.1948 wurden die ersten Häuser am Erlenweg gebaut und ein Arzt errichtete dort die erste Praxis im Stadtteil. Erst am 14.03.1949 soll die Straße ihren Namen erhalten haben. In Haus Nummer 3 war die erste Polizeistation mit Hundestaffel stationiert. 1951/52 feierte die Goslarer Wohnstätten- Gesellschaft Richtfest im Erlenweg. Die Namensgebung in diesem Stadtteil erfolgte häufig willkürlich. Nach Abschluss eines 3-monatigen Baum- und Strauchstudiums konnte die Recherche beginnen und in einigen Straßen fanden sich dann auch die Baumarten, nach denen sie benannt waren. Selbst mit einem Pflanzenbestimmungsbuch in der Hand war es im Erlenweg nicht gelungen einen, namensgebenden Baum dieser Art zu finden. Die ersten Siedler, die 1936 in das Stadtviertel einzogen, erhielten jeder einen Walnußbaum und mussten diesen auch einpflanzen. Vielleicht wäre es eine gute Idee gewesen, den Anwohnern im Zuge der Straßenbenennung einen passenden, kleinen Baum für den Garten zu überreichen. Dann fände sich im Erlenweg sicher noch eine Erle und im Ahornweg ein Ahornbaum und so weiter und so weiter.

Erlen sind Bäume und Sträucher, die zum Uferschutz eingesetzt werden. Sie sind ökologisch wertvolle Laubbäume. Da ihr Laub sehr schnell verrottet, gehören sie zu den natürlichen Bodenverbesserern. Die bekanntesten Arten in Mitteleuropa heißen: Schwarz-Erle, auch Rot-Erle, Grau- Erle, Grün-Erle oder italienische Erle.

Die Schwarz-Erle, Baum des Jahres 2003, wird mit Hochwasser am besten fertig. Deshalb steht halb Venedig auf ihrem Holz, die andere Hälfte auf Eichenpfählen. Sie werden durch einen pilzähnlichen Befall stark bedroht und stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Biotope. Durch ihren besonderen Wuchs, den auffallend geraden Stamm bis in die Kronenspitze, wird sie auch „Fichte der Täler“ genannt. Schwarz-Erlen können bis zu 35 Meter hoch werden, aber höchstens 120 Jahre alt. Für einen Baum ein sehr geringes Alter. Aus ihrem Holz machte man früher Küchengeräte, Schusterleisten und Holzschuhe, daher auch der Name „Holzschuh-Baum“.

Heute werden nur noch Spanplatten aus dem Holz der Erle hergestellt. Es ist auch eine brauchbare Energiequelle und liefert gute Holzkohle. Die Erle dient mit ihrem starken, bis zu 2 m tiefen Wurzelwerk als dauerhafte Uferbefestigung. Das kann bei Hochwasser von unschätzbarem Wert sein. Charakteristisch sind außer dem pyramidenförmigen Wuchs der Baumkrone auch die zapfenförmigen Früchte und ihr frühes Blühen im Jahr. Heuschnupfen-Geplagte werden diesen Baum nicht lieben können, denn seine Pollen verbreiten sich mit dem Wind. Die luftgefüllten Auswüchse an den Früchten dienen zusätzlich als Schwimmpolster für eine Verbreitung über das Wasser.

Quellen:

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.