Goslarer Straßennamenkatalog - Holunderweg


Holunderweg

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Holunderweg3

Der Holunderweg nimmt am Ginsterbusch seinen Anfang und findet wie die anderen sechs Querstraßen sein Ende an der Sudmerbergstraße. Die farblich aufeinander abgestimmten Reihenhäuser in hellbraun und khakigrün wechseln sich mit zwei und drei Fenstern in den Dachgauben in steter Regelmäßigkeit ab. Die Uniformität des Baustils und der Farbgebung wird noch unterstrichen durch baugleiche Vorbauten aus Metall. Auch ein kleines kreisrundes Toilettenfenster findet sich in jedem Haus an genau der gleichen Stelle. Gekrönt wird der Anblick noch durch die zweizügigen Schornsteine, die sich wie Perlen auf einer Schnur über den Dächern aufreihen. Hecken begrenzen den breiten Grünstreifen vor den Häusern zur Straße. Hier handelt es sich nicht um einzeln angelegte Vorgärten, sondern um eine leicht zu pflegende Gesamtanlage. Jetzt wird erst bewusst, dass es sich um Mehrfamilienhäuser mit vier Wohneinheiten handelt.

Auf einer Straßenkarte von 1954 ist der heutige Holunderweg, der damals noch Akazienweg hieß, schon eingezeichnet, obwohl die ersten Bauanträge laut Bauamt Goslar erst 1955 gestellt wurden. Am 09.05.1972 wurde der Akazienweg in Holunderweg umbenannt, weil Jerstedt eingemeindet wurde und es dort bereits einen Akazienweg gab.

Es gibt Unmengen von volkstümlichen Namen für den Holunder wie Elder, Eiderbaum, Eller, Holderbusch, Holler, Keilken, Backholder, Ahlborn, Betschel, Kischke, Schwarzholder und andere. Verwendet werden seine Blüten und Beeren. Vorsicht jedoch, roh sind die Beeren leicht giftig und auch das Grün der Pflanze. Der Holunder blüht von Mai bis Juli und wird geerntet von September bis Oktober. Er ist in ganz Mitteleuropa heimisch, wird bis zu 7 m hoch, sehr breit und buschig. Vorwiegend wächst er in der Nähe von Gemäuern und scheint sich förmlich an diese anzuschmiegen.

Schon hunderte Jahre vor Christus bezeichnete ihn der Grieche Hippokrates als „Medizinschrank“. Selbst heute noch wird er bei Verstopfung, Wassersucht und Frauenbeschwerden eingesetzt und mittlerweile ist bekannt, dass er Krebs und Herzinfarkten vorbeugt. Die Kelten und Germanen sahen in ihm einen heiligen Baum, der eine Göttin verkörperte. Im Holunder wohnten die guten Hausgeister und beschützten die Anwohner. Wenn man ihn beschnitt oder gar fällte wurden die Geister ihrer Wohnung beraubt.

Nur Witwen und Waisen durften ungestraft Holunderholz schneiden, da sie ohnehin schon vom Tod berührt worden waren. Der Holunder kam ebenso wie die Kirsche in der Christianisierung in Verruf. Plötzlich wurde aus dem ehe-mals heiligen Baum der Baum des Teufels. Trotzdem hat man ihn im Mittelalter wie in der Neuzeit aufgrund seiner vielfältigen Heilfähigkeiten genutzt, obwohl Hildegard von Bingen behauptete, Holunder tauge nicht für Menschen. Hieronymus Bock, Paracelsus, Leonard Fuchs, Sebastian Kneipp und andere schworen auf seine Heilkraft.

Quellen:

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.