Goslarer Straßennamenkatalog - Im Schleeke


Im Schleeke

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Fährt man östlich der Goslarer Altstadt in Richtung Oker, führt einen der Weg durch die etwas schmucklose, aber geschichtsträchtige Straße Im Schleeke. Sie schließt in Höhe der Abzweigung zur Vienenburger Straße an die Okerstraße an und führt vorbei an der „Sudmerbergsiedlung“, dem Sudmerberg und einer Glasfabrik. An den scheinbar endlosen Fabrikmauern eines großen Chemieunternehmens entlang zieht sie sich dann bis nach Oker hinein, wo sie an der Einmündung zur Galgheitsstraße in die Bahnhofsstraße übergeht. Der Beginn der Straße wurde in Folge der Gebietsreform, der Eingemeindung Okers und der anschließenden Erweiterung des Stadteils Oker im November 1974 näher in Richtung Goslar verlegt. Daher gehört der größte Teil der Straße heute zu Oker, wo die dort ansässigen Industriebetriebe das Straßenbild prägen.

Tatsächlich erweist sich Im Schleeke nicht gerade als Schönheit unter den Goslarer Straßen. Man muss schon einen ausgesprochenen Hang zur Industrieromantik haben, um ihrem spröden Charme etwas abgewinnen zu können. Erst auf den zweiten Blick offenbart die vielbefahrene Straße ihre verborgenen Reize, beispielsweise der Blick durch das lichte Grün der Bewaldung am Straßenrand auf die Südhänge des Sudmerbergs. Allerdings wird man als Autofahrer im dichten Verkehr wenig Zeit für einen Blick über den Straßenrand hinaus finden. Ortskundige Wanderer werden kaum an einer Hauptverkehrsstraße entlang gehen, sondern stattdessen den parallel zur Straße verlaufenden „Schleichweg“ am Bergesrand nutzen.

Als „Auff dem schlich“ wurde Im Schleeke erstmals im Jahr 1543 auf einer Karte verzeichnet. Auch wenn nicht völlig auszuschließen ist, dass dieser Flurname tatsächlich auf einen Schleichweg hindeutet, kommt man seinem Ursprung vielleicht eher auf die Schliche, wenn man das historische Umfeld genauer beleuchtet. Der Weg verlief unterhalb des Sudmerbergs längs der Gose und der Abzucht, deren Wasserkraft man für Korn- und Ölmühlen, aber auch für die Erzverarbeitung zu nutzen wusste. „Schlich“, „Schlieg“ bzw. mundartlich „Sleke“ nannte man das für die Verhüttung aufbreitete Erz. In mehreren Arbeitsgängen wurde das Erz in Pochwerken fein zerstampft, in Schlämmgräben mit Wasser angereichert und von den nichtmetallischen den sogenannten tauben - Bestandteilen getrennt. Übrig blieb ein feinkörniger Schlamm aus konzentriertem Erz, der Erzschlich. Sprachlich nahe verwandt damit ist der Schlick. Beide Worte haben ihre Wurzel in den alt- bzw. mittelhochdeutschen Formen des Verbs „schleichen“, „slïhan“ bzw. „slïchen“ und sind verwandt mit dem englischen Wort slick (glatt, glitschig). Es ist allerdings unsicher, ob hier wirklich der Ursprung des Namens Im Schleeke zu finden ist, oder ob nicht doch ein anderer Zusammenhang besteht.

Quellen:

  • Grundner-Culemann, Alexander; Die Flurnamen des Stadtkreises Goslar
  • Brockhaus - Die Enzyklopädie in 24 Bänden
  • Duden Bd. 7, Herkunftswörterbuch; Etymologie der deutschen Sprache
  • Saft, Albert; Oker - Eine Chronik 1883 bis 2007


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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.