Goslarer Straßennamenkatalog - Kiefernbrink


Kiefernbrink

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Der Kiefernbrink liegt am Hang des Sudmerberges und begrenzt das Wohnviertel als höchster Punkt. Die Straße verläuft von Nord nach Süd. Sie beginnt als Verlängerung des Fichtenweges an der Kreuzung Bergknick und Tannenstieg und führt am Dornbusch und am Ulmenstieg vorbei. Am Kindergarten endet der Kiefernbrink als Sackgasse mit sehr begrenzten Wendemöglichkeiten.

Die Hausnummerierung des Kiefernbrinks ist etwas speziell. Postalisch beginnt die Straße an der bereits erwähnten Kreuzung mit Hausnummer 1, gleich neben der Hausnummer 36. Die Nummer 2 sucht man hier allerdings vergeblich, die befindet sich nämlich am anderen Ende der Straße. Wer das jetzt nicht verstanden hat, kann sich gerne bei einem Spaziergang vor Ort selbst überzeugen. Dort wird er durch einen herrlichen Ausblick über die ganze Stadt Goslar belohnt werden. Aus diesem Grund hat der amtierende SPD-Chef wohl auch hier sein privates Domizil. Der Kiefernbrink tauchte erstmals 1942 im Adressbuch der Stadt Goslar auf, war aber zu dieser Zeit noch nicht bebaut. Da kriegsbedingt keine Aufzeichnungen von 1939 bis 1941 zu finden waren, ist davon auszugehen, dass er in der Zeit seinen Namen erhielt.

Erst ab dem Ulmenstieg wird der Kiefernbrink zur ausgeschilderten Sackgasse. Schon vorher ist er ohnehin so schmal, dass man bei entgegenkommendem Verkehr auf den großzügig bemessenen Fußweg ausweichen muss. Durch die steile Hanglage ist die Bauweise der Häuser ebenfalls etwas eigenartig. Die Häuser an der höher liegenden Straßenseite sind 3-geschossig und so an den Hang gebaut, dass die untere Etage heute als Garage und Eingang dient. Zur Zeit der Erbauung, wahrscheinlich in den 50er Jahren, wurde das untere Stockwerk sicher als Stallung oder Wirtschaftsraum genutzt. Da sich von den Häusern am unteren Hang nur 2 Geschosse über der Straße befinden, haben die dahinter liegenden Häuser einen unverbaubaren Ausblick über ihre Stadt. Mit dem großzügigen Ausbau der Dächer wurde ein zusätzliches Obergeschoss gewonnen.

Von dieser Hanglage leitet sich auch sein Name ab und Kiefern sind auf den Grundstücken und dem dahinter liegenden Wald bestand ebenfalls vorhanden. Im Mittelalter bezeichnete man eine leicht erhöhte Stelle als Brink. Auch bei den Germanen wurde er als am Rand gelegener kleiner Hügel erklärt. Weitere Beschreibung siehe in der Straße Hoher Brink.

Erwähnenswert ist, dass die Kiefer 2007 als Baum des Jahres gewählt wurde. Im 19. Jahrhundert spielte die anspruchslose Kiefer eine bedeutende Rolle. Nachdem in den Jahren zuvor durch die Köhlerei, Erz- und Salzgewinnung Raubbau an den Wäldern getrieben wurde, war dieser schnell wachsende Baum wie geschaffen für die Wiederaufforstung. Ein weiterer Vorteil ist sein geringer Wasserbedarf. Aus ihrem Harz wurde vor Jahren der begehrte Bernstein. Monokulturen mit Kiefern sollte man trotzdem nicht schaffen, sonst kann man mit dem Kiefernspanner und dem Kieferblasenrost rechnen, ein Insekten- und Pilzbefall. Auch die schwer zersetzbare Nadelstreu bekommt den Böden nicht sehr gut. Schon 1793 erklärt Hahnemann (der Begründer der Homöopathie) die medizinische Bedeutung ihres Harzes. Kiefernölextrakte kennt man als Massage- und Duftöle, Saunaaufguss, Badezusatz und zur Inhalation bei Erkältungskrankheiten und Halsschmerzen.

1953 trafen sich im Lebensmittelladen am Kiefernbrink mehrere Kaninchenzüchter und gründeten den Kaninchenzüchterverein Goslar-Sudmerberg. Bereits 1955 fand die erste Zuchtschau in der Sudburg An den Kastanien statt.


Quellen:

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.