Goslarer Straßennamenkatalog - Rüsterweg


Rüsterweg

Ruesterweg1
Ruesterweg2
Ruesterweg3

Der Rüsterweg nimmt am Fichtenweg seinen Anfang und endet in einer scharfen Linkskurve am Übergang in den Weißdornweg. Postalisch allerdings beginnt er linksseitig mit der Nummer 1 und führt auf der rechten Seite mit aufsteigenden Hausnummern wieder zurück. Er erhielt am 13.02.1961 diesen Namen und warum diesen, weiß wohl niemand, denn Rüster ist ein Synonym für Ulme und heute nur noch in wenigen Gegenden gebräuchlich. Im Rüsterweg gibt es keinen Rüster, dafür viele Eiben, die man in der Parallelstraße dem Eibenhang vergeblich sucht. Vielleicht sind sie umgezogen, ausgestorben, geflüchtet oder ausgewandert.

Die Straße ist farbenfroh. Von roten Garagen über gelbe Plexiglas- Anbauten bis zu blendend hellgrünen Fassaden ist hier alles zu finden. Solaranlagen auf Gauben finden die Zustimmung aller Betrachter. Ein Vorgarten mit weißen Kieselsteinen vermittelt wieder südländisches Flair und ein Boot im Vorgarten ist ein besonderer Hingucker. Die 30 cm breiten beidseitigen Gehwege sind nur eine Andeutung dessen, wofür man sie nutzen könnte.

Der Begriff Rüster bezeichnet sowohl den lebenden Baum als auch das Holz und die beiden Silben des Wortes Rüster kann man folgendermaßen erklären. Das alte Suffix (Nachsilbe) „ter“ oder „der“ bedeutet Baum und kommt bei Heister, Wacholder, Holunder, Flieder und sonstigen vor. Die Silbe „Rüs“ soll vom althochdeutschen „Ruz“ abgeleitet sein. Dieses wiederum ist vom lateinischen rust > ruster > rysterbaum zu Rüster umgewandelt worden. „Rust“ bedeutet auch Rost und das weist auf die rote Färbung des Rüsterholzes hin. Ulmus minor ist der lateinische Name der Feldulme und des Feld-Rüster; Ulmus glabra bedeutet Berg- Ulme und Weißrüster. Flatterrüster, Waldrüster, Korkrüster, Hänge- Ulme, Gold-Ulme sind weitere Bezeichnungen der Ulmengewächse. Ulme bezeichnet den stehenden Baum, Rüster eher den liegenden, geschnittenen. Jetzt kann man verstehen, warum hier keine „Rüster“ anzutreffen ist. Wer legt sich schon einen gefällten Baum, der 40 m hoch werden kann und 400 Jahre alt, in den Vorgarten? Trotzdem hat er sich im Sudmerberg unter die „Baumstraßen“ gemogelt.

Die Rüster, beziehungsweise Ulme wächst auch in Nordafrika und Kleinasien, obwohl sie ein europäischer Laubbaum ist. Ihr Holz gehört zu den Harthölzern. Wegen der hohen Festigkeit ist es nur schwer zu bearbeiten. Man fertigt aus ihm Möbel, Furniere, Sportgeräte, Fuß- und Parkettböden, obwohl sie zum Reißen im Schnittholz neigt. Da dieses Holz sehr langsam trocknet ist es nicht witterungsbeständig und verstockt sehr leicht. Die Rüster ist ohnehin – siehe Ulme – anfällig für Insekten und Pilze und das Holz somit auch. So kann noch das im Haus verbaute Holz von „Gebäudeinsekten“ befallen werden. Zu diesen lieben Tierchen gehören Hausbock, Nagekäfer, Splintholzkäfer und Holzwespe. Der Hausbock greift normalerweise nur Nadelholz an, aber hier macht er auch einmal eine Ausnahme. Insekten können Holz nur befallen, wenn Holzfeuchte und eine Temperatur von 15-30°C gegeben sind. Als Holzfeuchte bezeichnet man den Wasseranteil im Holz und da das Rüsterholz sehr schwer und langsam trocknet, darf im Haus nur richtig getrocknetes Holz verarbeitet werden. Es dürfen bei der Trocknung keine Fehler unterlaufen. Das erübrigt sich allerdings oft schon im Wald, weil dort die „Forstinsekten“ den Baum schon befallen können, wie z.B.
der Borkenkäfer. Auch dieser liebt höhere Temperaturen und fliegt erst über 15°C aus. Bei genügend Wärme im Holz wachsen auch pflanzliche Schädlinge, wie der gefährliche Hausschwamm, und lösen es von innen auf. Werden tragende Teile des Hauses von diesem Pilz befallen, muss die Baupolizei informiert werden. In trockenem Holz können Pilze nicht gedeihen.


Quellen:

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.