Goslarer Straßennamenkatalog - Tannenstieg


Tannenstieg

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Der Tannenstieg beginnt als Verlängerung des Bergknicks an einer Kreuzung, an der noch der Fichtenweg und der Kiefernbrink seitlich abzweigen. Er verläuft ansteigend und endet oben am Hang des Sudmerberges als Sackgasse mit geräumiger Wendemöglichkeit. Dort zweigt ein Fußweg ab, der auf ein mit Steinen eingefasstes Rundbeet zuführt. Dieses ist in der Mitte mit einem Ahornbaum und Büschen bepflanzt. Nun gabelt sich der Weg. Er endet rechts hinter einem Privatgrundstück und links an einer Treppe. Hier treffen sich Rüster- und Weißdornweg.

Gleich am Anfang des Tannenstieges befindet sich ein großer Parkplatz, wahrscheinlich zur Nutzung bei Festivitäten im Schützenhaus angelegt. Man kann ihn komplett umfahren, da die ersten Wohnhäuser etwas zurück liegen. Er ist einseitig mit dem ortsüblichen, aber moderneren Stil bebaut. Diese Häuser sind mit größeren Fenstern bestückt und haben teils wunderschöne, verglaste Dachterrassen auf den Garagen. Das letzte Haus am Berg setzt noch einen besonderen Blickfang mit einem schneeweißen, säulengestützten Balkon im Kolonialstil amerikanischer Gebäude. Auf dem benachbarten Grundstück steht eine prächtige mindestens 10 m hohe Tanne. Somit trägt der Tannenstieg seinen Namen wirklich zu Recht. Benannt wurde die Straße am 13.2.1961. Stieg bezeichnet einen steilen Anstieg und Tanne erinnert die Menschen an Weihnachten. Der Weihnachtsbaum ist allerdings in den meisten Fällen eine Blaufichte.

Die Tanne ist im Gegensatz zur Fichte ein Tiefwurzler. Ihre Nadeln sind flach und biegsam, nicht vierkantig und spitz wie bei Kiefer oder Fichte und halten länger am Baum. Darum ist sie die bevorzugte, aber kostspieligere Variante des Christbaumes. Allerdings harzt sie im Alter am Stamm und damit wird der Aufsteller des Baumes einige Tage beschäftigt sein, dieses wieder von den Händen zu bekommen. In freier Wildbahn zerfallen die Zapfen der Tanne am Baum. Deshalb findet man auf dem Waldboden nur Fichtenzapfen, nie reife Tannenzapfen. Wenn die Samen reif sind, trägt der Wind sie davon und nur die Schuppen fallen ab. Die Zapfen der Tanne stehen aufrecht, die der Fichte hängen. „Die Fichte sticht, die Tanne nicht“ erleichtert die Unterscheidung der Nadelbäume. Die Rottanne gehört allerdings zu den Fichten. Die Tanne zählt zu den „Schattenbäumen“ Wenn andere Baumarten schon absterben, wachsen unterdrückte Tannen in die Breite, um jeden Lichtstrahl aufzufangen und bilden zusätzlich Schattennadeln aus. Ihre Lebensfunktionen werden auf ein Minimum reduziert, sie wachsen nicht mehr nach oben und können in diesem „Schattenschlaf“ bis zu 100 Jahre verweilen – manchmal noch länger Wenn dann durch einen sterbenden Baum in der Oberschicht wieder mehr Licht einfällt, wandeln sie ihre Schattennadeln in Lichtnadeln um und beginnen nach oben und in die Dicke zu wachsen. Starke Verbiss-Schäden durch Wild verursachen das „Waldsterben von unten“ und gefährden den Fortbestand der Tanne.

Früher galt die Tanne als Sinnbild der Stärke und der Hoffnung. In vorchristlicher Zeit stellte man schon zur Wintersonnenwende einen Tannenbaum auf und 1539 soll der 1. Weihnachtsbaum im Straßburger Münster gestanden haben. Diese Sitte hat sich über ganz Deutschland und darüber hinaus verbreitet.

Im Hochharz gibt es einen kleinen Luftkurort namens Tanne und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erhält man dort auch Bäder mit Tannennadelextrakten, Ölen und Saunagänge mit eben solchen Aufgüssen. Weiterhin finden Sie im Bodetal einige der 222 Stempelstellen der beliebten Harzer Wandernadel, z.B. an der Talsperre Wendefurth, der Sonnenklippe oder dem Wilhelmsblick. Zwischen November und Ende März sind einige Stellen witterungsbedingt nicht zu erreichen und deshalb gesperrt. Das ist aber nicht schlimm; Sie kommen sowieso wieder in die märchenhafte Heimat von Rübezahl, Brockenhexe und Co.

Quellen:

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.