Goslarer Straßennamenkatalog - Ulmenstieg


Ulmenstieg

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Der Ulmenstieg beginnt an der Stelle, wo der Ahornweg in die Straße An den Kastanien übergeht und führt steil bergauf. Auffällig ist, dass überwiegend Holzzäune die Grundstücke begrenzen. Die Häuser im Harzer Baustil gleichen einander. Alle besitzen holzverkleidete Giebel. Nur das letzte Haus fällt hier wieder einmal aus dem Rahmen. Der Behang aus schiefer-ähnlichen Platten und der weiße Putz setzen somit den Schlusspunkt, ähnlich dem Verschluss einer Kette. Die anderen Gebäude reihen sich wie Perlen auf einer Schnur den Hang hinauf und dieses Haus bildet das Ende der Kette. Die Häuser auf der linken Seite gleichen ebenfalls Harzer Bergmannshäuser. Der Anbau verläuft seitlich und dort befindet sich auch die Haustür. Zwei dieser Wohnhäuser fallen durch dunkel-ziegelrote Fundamente auf. Zwei Schornsteine besitzen sie wiederum alle. Diese Häuser wurden für die Angestellten der Kaserne und des Fliegerhorstes erbaut, nach dem Motto, was einer hat, bekommen alle und keiner erhält mehr. Wie in militärischen Einrichtungen so üblich, es sei denn, man gehört dem Offiziersstand an. Die extrem schmale Straße muss trotz-dem nicht auf einen Gehweg verzichten, dafür kann man sie mit jeweils nur einem Fahrzeug durchfahren. Oben angekommen, überwältigt der herrliche Ausblick über ganz Goslar bis zum Stadtteil Jürgenohl und weiter. Das entschädigt jeden Fußgänger für den steilen Aufstieg, wenn er diesen Punkt erst einmal erklommen hat.

1942 wurde der Ulmenstieg erstmals im Adressbuch der Stadt Goslar erwähnt. Zu diesem Zeitpunkt lebten dort schon neun Familien. Da kriegsbedingt aus den Jahren 1939-41 keine Unterlagen über den Ulmenstieg zu finden waren, ist anzunehmen dass die die Straße in dieser Zeit ihren Namen erhielt und die ersten Häuser hier erst nach 1949 erbaut wurden.

Die namensgebende Ulme ist in dieser, eher als Gasse zu bezeichnenden, Straße nicht zu finden. Sie kann 400 Jahre alt werden, 40 Meter hoch und wird auch Rüster und Ulrich genannt. Ob eine Verbindung zwischen dem Männernamen und dem Baumnamen besteht? Das heraus zu finden, überlassen wir dem Leser. Bei „Wickie und die starken Männer“ trägt einer den Namen Ulme. Ob Ulme ein nordischer Name ist, wäre die nächste Frage.

In Deutschland ist die Bergulme die häufigste Ulmenart, auch Weißrüster genannt. Feldulme oder Feldrüster, Hängeulme, Flatterulme und Goldulme runden das Programm ab. Sie sind in ganz Mitteleuropa verbreitet und auch in einem großen Teil Nordeuropas.

Die Ulmen waren schon im Altertum bei den Römern sehr beliebt. Man nutzte sie als Rankhilfe für Rebstöcke. Ihre Maserung gefällt besonders auf Gewehrschäften und Pfeifenköpfen. Das feste Holz ist schwer spaltbar. Nur das von Feldulmen wird von Wagenmachern, Tischlern und Drechsler verarbeitet; früher für Kanonenlafetten. Die Rinde wird wegen ihrem Gerbstoff medizinisch als zusammenziehendes Mittel verwendet. Als Ulmen bezeichnet man im Bergbau auch die Seitenwände der Stollen. Dieser Baum ist den An-griffen vieler Insekten ausgesetzt. Das Ulmensterben, auch Ulmenwelken genannt, breitet sich seit 1970 bei uns und auch in der Schweiz bedrohlich aus. Es betrifft dort alle heimischen Arten. Der Pilz wird von dem Ulmensplintkäfer übertragen. Er verstopft die Gefäße und verhindert die Wasserzufuhr nach oben. Der Baum stirbt oft schon in der gleichen Vegetationsperiode. Leider hat man bis heute kein wirksames Mittel dagegen gefunden. Befallene Bäume werden deshalb rasch aus dem Wald entfernt und vermehrt die Aufforstung mit einheimischen Ulmenarten betrieben. Experten befürchten auch hier eine Verlustquote von 50 %.

Quellen:


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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.