Goslarer Straßennamenkatalog - Weißdornweg


Weißdornweg

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Der Weißdornweg beginnt als Verlängerung des Rüsterweges in einer scharfen Linkskurve und endet an einem Wendeplatz kurz hinter dem links abzweigenden Eibenhang. In der Kurve kann man über eine Treppe den Fußweg zum Tannenstieg erreichen und vom Wendeplatz führt ein unbefestigter Fußweg zum Ende des Schlehenweges. Mit Gehwegen ist der Sudmerberg sehr gut vernetzt, mit Straßen allerdings etwas sparsam. Zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Stadtteiles gab es noch kaum Autos. Für heutige Ansprüche sind die Straßen natürlich zu schmal und können leider auch nicht mehr verbreitert werden. Deshalb können sich die, die wenigstens einen begehbaren Fußweg ihr Eigen nennen, glücklich schätzen. Dazu gehört der Weißdornweg nicht, aber er ist ja nur mit 6 Häusern einseitig bebaut.

Im Weißdornweg umkreuzt der namensgebende Strauch nur ganz am Anfang der Straße ein langgestrecktes Wohn- und Firmengebäude. Die Hecke bekam so einen radikalen Kurzschnitt, dass man die Pflanzensorte kaum erkennen kann. Vereinzelte kleine rote Beeren führten auf die richtige Spur. Die nächsten Häuser und Vorgärten sind wieder unterschiedlich gestaltet. Ein Eigentümer hat den steilen Hang mit Steinplatten befestigt und dazwischen kleine Blumeninseln angelegt. Ein Haus ist besonders auffällig durch seine interessante Farbgestaltung. Es entsteht der Eindruck „hier lebt ein Künstler“ oder könnte als Anschauungsstück eines Malerbetriebes Ideenreichtum dokumentieren. Der Vorgarten besteht aus einer bunt blühenden Wiese. Dieses Gärtchen ist so entzückend, dass die vorrübergehenden Passanten stehen bleiben und verweilen. Kaum ein anderer Stadtteil Goslars hat so ausgefallene und liebevoll gestaltete Vorgärten.

Benannt wurde der Weißdornweg erst 1961 nach dem gleichnamigen Gewächs. Der Weißdorn gehört zu den Rosengewächsen. Entgegen seinem Namen blühen einige Sorten außer weiß, auch rosa und rot. Seine Beerenfrüchte leuchten in karminrot bis orange. Er tritt von Europa über Nordafrika bis Westasien, Persien, Arabien und der Kaukasusregion als Kleinbaum oder Großstrauch auf. Weitere volkstümliche Namen für ihn sind: Mehlbeere, Hagedorn, Hageapfel, Wibelken, Zaundorn, Christdorn und Mehlfässchen.

In der Antike nutzte man ihn als Feuerholz oder zur Herstellung von kleineren Holzgegenständen, wie Spazierstöcke, Dreschflegel, Werkzeugstiele und Spielzeug. Sein fleischrotes Holz ist allerdings schwer spaltbar. Aufgrund seiner Dornen diente er im Mittelalter zur Einzäunung von Feldern, Viehweiden und Gehöften. Darum nennt man den Weißdorn heute noch Heckendorn. Man findet ihn an Hängen, Waldrändern, Wegen und in Gärten. Leider überträgt er den Feuerbrand, eine Pflanzenkrankheit. Deshalb ist er in Obstplantagen nicht gern gesehen. Seine Blüten sind reich an Nektar, und somit eine „Bienenweide“. Während des 2. Weltkrieges röstete man die Kerne der Früchte und nutzte sie als Kaffee-Ersatz. Die jungen Blätter dienten als Teeaufguss.

Im Altertum wurde ihm und seiner Heilwirkung keine große Bedeutung beigemessen. Die Chinesen entdeckten sie etwas früher als ein irischer Arzt, der im 18. Jh. seine Wirkung bei der Linderung von Herzbeschwerden feststellte. 1990 wurde die herzregulierende Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen. Heute erhält der Weißdorn Anerkennung in Hülle und Fülle; besonders wenn es darum geht das Altersherz sanft zu stärken. Zudem hilft er bei Angina Pectoris, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Nervosität, Schlaflosigkeit, Durchfall, Wassersucht und Wechseljahresbeschwerden. Bei Einnahme von Weißdorn sollte man einen Arzt befragen, da bei längerer Behandlung Magen- und Darmprobleme auftreten können. Das ist insoweit problematisch, da man mit Weißdorn keine kurzfristigen, schnellen Ergebnisse erzielen kann, sondern ihn über längere Zeit anwenden muss, um Besserung zu erfahren. Seine Wirkungsweise ist jedoch eher sanft und unschädlich.

Quellen:

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.