Goslarer Straßennamenkatalog - Weidenanger


Weidenanger

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Wie alle Straßen in diesem Bereich des Sudmerberges beginnt der Weidenanger wieder am Ginsterbusch und mündet in die Sudmerbergstraße. Auf den ersten Blick befinden sich hier linksseitig nur Garagentrakte. Die dazu gehörenden Wohnhäuser liegen an abzweigenden Wegen. Man sieht nur den vorderen Giebel der Häuserreihe. In der ersten Hausreihe gleicht ein Haus dem anderen. Selbst die kleinen WC-Fenster sind alle mit einem Schmiedeeisengitter geschützt. Es ist allerdings nicht zu befürchten, dass sich ein Einbrecher – selbst ohne Gitter- durch dieses winzige Fenster quetschen könnte. Mit jeder weiteren Häuserzeile werden die Fassaden unterschiedlicher und abwechslungsreicher gestaltet. In einer Reihe fällt besonders ein wunderschöner, echter Schieferbehang auf, geziert mit einer, die Sonne darstellenden, Rosette. An der rechten Straßenseite befindet sich nur das eingezäunte Schulgelände der Sudmerbergschule.

Der Weidenanger, der früher Lärchenweg hieß, erhielt seinen neuen Namen am 9.5.1972. Die ersten Bauanträge wurden schon 1956 gestellt, aber ihren ersten Namen erhielt die Straße erst 5 Jahre später. Als Anger bezeichnete man früher ein grasbewachsenes Stück Land oder einen Dorfplatz im Besitz der Gemeinde, die öffentlich von den Anwohnern des Ortes genutzt werden konnten. Anger wurden oft zwischen weit auseinander liegenden Häuserreihen angelegt, um dort nachts das Vieh zu hüten oder Tiere von Durchreisenden zu füttern. Oft befand sich in der Nähe ein kleiner See oder Teich. Selbst in Großstädten gibt es noch Ortsteile oder Bereiche, die auf solche Anlagen in früheren Dörfern hinweisen, bevor sie durch Zusammenschluss den Städten eingegliedert wurden.Weidenanger weist darauf hin, dass es sich dort bei dem Bewuchs vermutlich um Weiden handelte. Das ist jedoch schlichtweg falsch, weil die Straße ja früher Lärchenweg hieß. Es ist nicht anzunehmen, dass mit der Umbenennung auch eine umfangreiche Umpflanzung stattgefunden hat. Möglich wäre auch, dass es sich hier um ein „Doppelmoppel“ handelt. Anger wurde als Platz verstanden, wo Tiere weiden. Weiden sind Wiesen, die der gleichen Aufgabe dienen oder eine Baumart beschreiben.
Die bekanntesten Weidenarten sind Trauerweide, Korbweide, und Korkenzieherweide.
Sie wachsen gern an Gewässerrändern. Weidenkätzchen sind schon jedem Kind ein Begriff. Bienen und Insekten dienen sie im Frühjahr als eine der ersten Nahrungsquellen, denn sie blühen schon im März. Aus Weidenruten kann man Körbe und andere Behältnisse flechten. Auch beim Hausbau fanden sie früher oft Verwendung. Mit ihnen stabilisierte man den Lehmputz oder das Reet auf dem Dach.

In Europa werden die Weidenkätzchen auch als „Palmkätzchen“ bezeichnet, da die Zweige mit den Blüten am Palmsonntag die Palmwedel ersetzen mussten, die hierzulande schwer oder gar nicht zu beschaffen waren. In China allerdings gilt die Weide nicht nur als Symbol für den Frühling, sondern auch für sexuelles Verlangen und Freudenmädchen. Unter dem „Blumen-und-Weiden-Hof“ versteht man keinen besonders schönen geschmückten Bauernhof, sondern ein Bordell. In unseren Regionen denkt man eher an Fruchtbarkeit und Schwangerschaft. Hans Christian Andersen schrieb ein sehr trauriges Märchen mit dem Titel „Unter dem Weidenbaum“. In heutiger Zeit gibt es eher Amüsantes über den Weidenanger zu berichten. Am 24. Januar 2011 drangen Rauchschwaden aus dem Fenster eines Hauses. Eine besorgte Nachbarin alarmierte – ganz richtig – die Feuerwehr. Als diese eintraf war die Überraschung groß. Hier brannte es nicht, sondern es wurde sehr heiß geduscht.

Quellen:

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.