Goslarer Straßennamenkatalog - Eichenkamp


Eichenkamp

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Der Eichenkamp beginnt am Marktplatz an der Straße Nußanger und führt in einem Rechtsbogen stetig bergauf. Wie er zu seinem Namen gekommen ist, lässt sich nicht nachvollziehen. Die ersten Bauanträge wurden im Februar 1938 gestellt. Zu diesem Zeitpunkt wird er wohl auch benannt worden sein. Ein besonderer Gag begegnet dem Beobachter schon am Anfang der Straße. Links befindet sich Haus Nummer 1 und auf der gegenüber liegenden Straßenseite die 1a. Dieses unterscheidet sich stark von den restlichen Siedlungshäusern mit ihren 3teiligen Gauben im Einheitsformat. Es fällt schon durch den kräftig orangefarbenen Anstrich ins Auge. Die Haustür wird von einem Glasbogen überdacht, an dem die herabhängenden Ketten als Regenablauf fungieren. Am Carport findet sich ein Schild mit der Aufschrift „Villa Eichenkamp“ und für die Mülltonnen hat man ein eigenes kleines Gartentürchen eingerichtet. Außer diesem liebevoll gestalteten Eigenheim befinden sich alle anderen Häuser auf der anderen Straßenseite, auch die nach der scharfen Rechtskurve oben am Hang. Rechts kann man in die großen, tiefer liegenden Gärten der Sudmerbergstraße schauen. Der Eichenkamp endet als Sackgasse an einem auf einer Anhöhe liegenden Bungalow. Eingebettet in sattem Grün und wunderschön beschnittenen Buchsbäumen ermöglicht die verglaste Front mit großen Panoramafenstern eben diesen Panoramablick. Auch der Baustil der anderen Häuser lässt darauf schließen, dass diese erst in jüngerer Zeit hier gebaut wurden. Sie liegen alle über eine Treppe erreichbar, erhöht am Hang und bieten durch ihre Größe wahrscheinlich mehr Wohnqualität als die kleinen Siedlungshäuschen im unteren Bereich. Am Ende des Eichenkamps befand sich in den Kriegsjahren ein Luftschutzbunker, der seinen Bewohnern Schutz vor bombardierenden Flugzeugen bot.

Mit Kamp bezeichnet man ein Feldstück oder eine Ansiedlung. Heute wird der Begriff Kamp in der Forstwirtschaft und im Gartenbau genutzt. Er bezeichnet eine geschützte, zur Zucht von Forstpflanzen genutzte Fläche oder ein Grundstück in der Baumschule, auf dem aus Samen, Ablegern und Stecklingen Holzgewächse gezogen werden. Eichen sind Großbäume, die 24 bis 40 Meter hoch und über 1000 Jahre alt werden können. Sie benötigen viel Licht, Platz und nährstoffreiche Böden. Im Eichenkamp findet man allerdings keine Eichen. Die bekanntesten sind wohl Roteiche, Stiel-Eiche, Steineiche, Sumpfeiche und die Traubeneiche, die wohl häufigste in unseren Gefilden. Das Eichenholz zählt zum Hartholz und eignet sich, weil es lange nicht verrottet und widerstandsfähig ist, deshalb für den Bau von Schiffen, Brücken, Brücken- pfeilern und Eisenbahnschwellen. Weiterhin findet es Verwendung im Hausbau für Fenster, Türen, Treppen und Parkett. Natürlich werden aus Eichenholz auch Möbel und Furnier hergestellt. Der hohe Heizwert ist ebenso unumstritten.

Selbst Fässer werden aus dem Holz der Eiche hergestellt und diese verleihen dem in ihnen gelagerten Cognac, Wein oder sogar Schinken ein ganz besonderes Aroma und Geschmack. Schon im Mittelalter verwendete man Rinde und die Eicheln zum Gerben bei der Lederverarbeitung. Die Rinde wirkt zusammenziehend und hilft bei Blutungen und Entzündungen. Nach Entfernen der Bitterstoffe durch Wässern und zu Mehl verarbeitet, konnten ihre Früchte manche Hungersnot lindern und dienten sogar als Kaffeeersatz. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts und heute wieder ist die Eichelmast von Schweinen Garant für besondere Qualität und würziges Aroma des Schinkens. In Spanien und Portugal wird der teuerste luftgetrocknete Schinken der Welt hergestellt.

Man nennt die Eiche oft den König oder die Königin des Waldes und bringt sie mit Worten, wie Härte, Standfestigkeit, Freiheit, Ehre, Kraft, Männlichkeit, Unsterblichkeit und Unbeugsamkeit, sowie väterlicher Weisheit in Verbindung. Nach der germanischen Mythologie wurde unter der Eiche, dem Gerichtsbaum, Jahrhunderte lang Recht gesprochen. Die dickste Eiche Deutschlands soll 12,8 Meter messen und die älteste 800 bis 1500 Jahre alt sein. In so hohem Alter ist die Bestimmung sehr schwer, da keine Jahresringe mehr gezählt werden können. Diese Eiche soll schon als Gerichtsbaum von den Germanen genutzt worden sein. Wegen ihrer großen Symbolkraft findet man sie oft auf Wappen und im Mittelalter war sie Namensgebend für Ritterorden: Auch in Zunftzeichen und Gildewappen kam sie vor. Seit dem 17. Jh. ist sie in Deutschland der typisch deutsche Wappenbaum und so verwundert es auch nicht, sie auf fast allen DM- und Euromünzen zu finden. Selbst auf dem 5- DM-Schein befand sich ein Eichenlaub.

Große Feldherren, Kaiser und Diktatoren wie z.B. Caesar trugen im Römischen Reich den Eichenkranz als Auszeichnung oder Ersatz der Krone. Selbst Krankheiten, wie Mehltau können den starken Baum nicht wirklich schädigen. Für Marienkäfer allerdings stellt er eine willkommene Nahrungsquelle dar. Bedrohlicher sind da schon die Raupen des Eichenwicklers, Eichenprozessionsspinners und Eichenprachtkäfer. Diese und die Umweltbelastungen können zu dem gefürchteten Eichensterben führen. Für Eichhörnchen, Wildschweine, Baummarder, Eichelhäher und viele andere Vögel dienen ihre Früchte als Nahrung und Fledermaus, Waldkauz, Vögel, Käfer, Schmetterlingen und Insekten gewährt sie Unterschlupf und Lebensraum.

Bonifazius soll im 8. Jh. die „Donareiche“ gefällt haben, um die Kraft des heiligen Götterbaumes der Germanen zu widerlegen. Als nach der Fällung nichts geschah – kein Zorn der Götter den Frevler traf – ließen sich die anwesenden Druiden von Bonifazius taufen. Von da an führte Bonifazius einen regelrechten Feldzug gegen die Eichen. Das Wort Druide stammt von dem keltischen „Dair“ oder „Duir“ für Eiche ab und bedeutet so etwas wie „Eichenmann“. Für keltische Druiden waren Eichenmisteln die heiligsten Pflanzen. Der Druide „Miraculix“ verwendete diese auch als Zutat für seinen Zaubertrank, nach dessen Genuss man übermenschliche Kräfte besitzen sollte.

Quellen:

 

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.